Philipp Harpain: SCHAUKELPFERD UND MUNDHARMONIKA (Horizont Theater, Köln)
Seit jeher sind Menschen vom Zauber der Zirkuswelt fasziniert, bedeutet sie doch eine willkommene Abwechslung vom normalen Alltag. Wie wichtig eine Welt der Illusionen für Leute sein kann, die der tristen Realität kaum Freude abgewinnen können, davon gibt der Autor Philipp Harpain dem jungen Publikum ein besonderes Beispiel. Im Untertitel nennt er das Spiel: "Ein Stück Zirkus für Alle ab 5 Jahren", doch das zirzensische Versprechen wird erst in der zweiten Hälfte eingelöst.
Zunächst lernen wir zwei recht sympathische Bettler kennen, die beide auf der Straße leben. Gregor spielt auf seiner Mundharmonika und hofft auf Kleingeld der Passanten. Hans, sein schärfster Konkurrent, bietet selbstgemalte Bilder als Gegenleistung für ein Almosen an.
Schlimm zwar, dass die Einzelkämpfer ein Leben voller Entbehrungen führen. Unerträglicher jedoch scheint für beide zu sein, die Eigenarten des anderen ertragen zu müssen. Aber mit Erfindungsreichtum und Vorstellungskraft erschließen sich die Hauptfiguren eine freundlichere Welt.
Regisseur Volker Hein lässt die Geschichte von Abneigung und Annäherung über eine weite Strecke mit kleinen unspektakulären Gesten in langsamen Erzähltempo entwickeln. Das Regie-Konzept geht auf, obwohl große Übertreibungen und heftige Szenen, die vom jungen Publikum so geschätzt werden, im ersten Teil des Spiels fast gänzlich fehlen und sich das komödiantische Potential der Darsteller Sunga Weineck und Tomasso Tessitori dabei kaum entfalten kann.
Der lebhafte zweite Teil des Spiels, in dem die Akteure mit kleinen
Hilfsmitteln wie Schaukelpferd, Plastiktüten, Einkaufswagen und mit
überraschend einfachen Akrobatennummern sich selbst eine imaginäre
Zirkuswelt zaubern, zeigt, was Phantasie bewirken kann.
Unter den bunten Bühnen-Spots verwandelt sich das Horizont Theater zu einer Manege und bietet hautnah ein trickreiches Feuerwerk wunderbar einfach realisierter "Attraktionen und Sensationen", die kleine Zuschauer animiert, das lustige und kurzweilige Treiben zu Hause bald nach zu spielen.
Gregor und Hans sind Freunde geworden, und das Publikum honoriert den kindgerechten Theaterspaß mit begeisterten Beifall.
v. - red / 21.03.2001
Premiere 11.3.2001 im Horizont Theater, Thürmchenswall 25, Tel: 0221/131604
Regie: Volker Hein
Assistenz: Annika Möller
Ausstattung: Markus Brockhaus, Julian Rohde, Uriella Siefer
Licht: Michael Rode
mit:
Sunga Weineck, Tomasso Tessitori
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