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75. BERLINALE

The Old Woman with the Knife

von Min Kyu-dong


Bewertung:    



Der südkoreanische Thriller The Old Woman with the Knife von Regisseur Min Kyu-dong war wohl der reinrassigste Actionkracher, den die diesjährige BERLINALE zu bieten hatte. Für ein Festival, dessen Profil ausdrücklich von der politischen und gesellschaftskritischen Dimension seiner Filmauswahl geprägt wird, ist das zwar ungewöhnlich, aber auch nicht einmalig. Denn vor über 20 Jahren liefen die Martial-Arts- und Kung-Fu-Filme aus Hongkong und Südkorea gelegentlich als Entertaiment-Faktor in der Mitternachtsschiene ausgerechnet in der Sektion für intellektuelle Arthaus-Filme, das Forum.

Tricia Tuttle hat The Old Woman with the Knife dismal gar den Roten Teppich für Special Gala-Vorführungen ausgerollt, und das hohe handwerkliche Niveau des Films rechtfertigt das. Zudem ist die Story sehr originell: Im Mittelpunkt steht eine alte Dame (cool is a rule: Hyeyoung Lee), die eine Jahrzehnte währende, erfolgreiche Karriere als Auftragskillerin hinter sich gebracht hat. Ihr jüngerer Chef schätzt die kaum nachlassende Effizienz und tödliche Konsequenz von "Hornclaw", die bisweilen auch ohne Auftrag aktiv wird, wenn ihr ein fieser Mitbürger – ausnahmslos Männer – über den Weg läuft. Denn die Mörder-GmbH, der "Hornclaw" in Diensten steht, hat sich sympathischerweise auf das Eliminieren unsympathischer Zeitgenossen spezialisiert. Also solche, die ihre Kinder oder Frauen verprügeln, sich arrogant und skrupellos im Beruf verhalten oder Menschen ausnutzen und ausbeuten. Auftraggeber scheint es kaum zu geben – die Killer Co-KG beobachtet, recherchiert und agiert eher selbstständig im Dienst der "guten Sache".

Auch in Südkorea gilt leider: So sehr auch gemordet wird – die Dummen und Arroganten werden einfach nicht weniger. Damit könnte ‚Hornclaw‘ wohl zurechtkommen. Doch das der junge, heißspornige Kollege "Bullfight" (Kim Sung-cheol) als einer entpuppt, dem "Hornclaw" früher den Vater gemordet hat, ist an einen ruhigen Eintritt ins Rentenalter nicht mehr zu denken. Der Vater mag tatsächlich ein Mistkerl gewesen sein – aber die Rechnung ist noch offen.

Ich musste beim Anschauen des Films an eine Kriminalkurzgeschichte namens For All The Rude People denken, die vor ungefähr 45 Jahren vom Schriftsteller Jack Ritchie für einen der Sammelbände unter dem Alfred-Hitchcock-Label verfasst wurde. Darin findet ein Mann daran Gefallen, unhöfliche Mitbürger zu ermorden, nachdem er den ersten Todesfall rein zufällig verursacht hat – und seine Tat inspiriert weitere Nachahmer. Ich habe diese Geschichte mit Faszination und Schrecken gelesen und nie vergessen, was dieser Actionkrimi bei allem Aufwand ganz sicher nicht schaffen wird.

Nichts gegen Rasanz und Tempo, aber hier wird im Minutentakt gemetzelt, dass einem bald alle Anflüge von Nachdenken ausgetrieben werden. Dass die einst als Mädchen missbrauchte und beinahe totgeschlagene "Hornclaw" aus purer Selbstverteidigung gegen die gewalttätige (patriarchale) Umwelt zu einer kompetenten Killerin wurde, ist noch ein glaubwürdiger und ernstzunehmender psychologischer Aspekt der Story. Aber danach werden die Täter-Opfer-Konstellationen wahllos und die ewigen Messerstechereien verlieren an Dramatik und Relevanz.

Der Regisseur hat erkennbar Mühe, ökonomisch zu inszenieren und klebt der Genration Marvel zuliebe, die an viel Effektgedöns gewohnt ist, hinter dem berührenden, dramatischen Pseudo-Schluss zu unguter Letzt noch eine Sequenz dran. Die ist dann derart ausufernd und actiongeladen, dass alle Reste an Glaubwürdigkeit oder Psychologie im Kugelhagel zerschossen werden.



The Old Woman with the knife | © SooFilm

Max-Peter Heyne - 25. Februar 2025 (2)
ID 15164
Weitere Infos siehe auch: https://www.berlinale.de


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Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


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