Sie liebten und sie schlugen sich in der französischen Sommerkomödie Eyjafjallojökull - Der unaussprechliche Vulkanfilm
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Bewertung:
Der größte Star im stargespickten französischen Kinouniversum ist seit dem Megaerfolg Sch'tis (2008) Dany Boom, dem nicht wenige Kritiker und Kinobesucher bei unseren gallischen Nachbarn seinen Reichtum neiden. Anders als Gérard Depardieu hat Boon jedoch noch nicht die Staatsbürgerschaft gewechselt, sondern tritt immer offensichtlicher in die großen Fußstapfen von Louis de Funès (dessen Geburtstag sich am 30.7. zum hundertsten Male jährte) und dreht fleißig eine turbulente Boulevardkomödie nach der anderen. Seinem Marktwert tut das keinen Abbruch, seiner Reputation bei der Kritik indessen schon. Auch darin ähnelt er dem seligen de Funès, der dereinst als bloßer Faxenmacher diskreditiert wurde, im digitalen Zeitalter aber als Urahn der Comedians rehabilitiert wird.
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Eyjafjallajökull - Der unaussprechliche Vulkanfilm | Foto (C) Mars Distribution
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Auch de Funès scheute nicht vor manch dümmlicher Plotte zurück, und auch einige Komödien Boons (Nichts zu verzollen und Super-Hypochonder) haben sich in dieser Rubrik eingependelt. An der Seite "unseres" polyglotten und verehrten Weltstars Diane Krüger gab es in Der Nächste, bitte! (2012) neben etlichen derben Scherzen immerhin auch einige anrührende Momente und verschiedenartigste Schauplätze zu verbuchen, und genau das bietet auch der Eyja.., der aussprechliche Vulkanfilm: Eher Klamauk als kunstvolle Komik, viel Tempo und Turbulenzen sowie andauernde Fortbewegung mit Plains, Automobiles, aber ohne Trains. Boon und seine herrlich überdreht bis biestig agierende Partnerin Valérie Bonneton geben dabei wie weiland Steve Martin und John Candy (1987 im US-Komödienklassiker Ein Ticket für Zwei) ein unfreiwillig aufeinander angewiesenes Paar, das auf seiner gemeinsamen Reise in haarsträubende Situationen gerät. Anders als Martin und Candy in Ticket sind Valérie und Alain in dieser französischen Variante einander nicht fremd – sie waren einmal ein Ehepaar.
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Eyjafjallajökull - Der unaussprechliche Vulkanfilm | Foto (C) Mars Distribution
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Die Heirat der gemeinsamen Tochter ist denn auch Grund für ihre Reise in Richtung Griechenland, die aber wegen des Vulkanausbruchs 2010 auf Island schon in München ins Stocken gerät (eine historische Ungenauigkeit, denn von dort waren Flüge gen Süden dereinst durchaus möglich). Das inzwischen notorisch zerstrittene, ständig übereinander lästernde Ehepaar nimmt sich vor, die Fahrt gemeinsam mit einem Auto fortzusetzen, was den mitreisenden Onkel dazu verleitet, lieber einen Fernbus zu nehmen. Die mitreisenden Tramper lernen schon bald, warum: Eine Reise mit den beiden Streithähnen ist lebensgefährlich, denn wenn gerade einmal nicht gezankt wird, greift Valérie Alain ins Steuer oder gibt der solcherart Gestörte aus Daffke den Bleifuß. Wie vom Zuschauer erwartet, wird der superteure, exklusive Mietwagen der Bayerischen Motorenwerke das erste Opfer des streitsüchtigen Ex-Paares (Krachbumm!). Auch, dass die Liebe in der Hassliebe noch so kräftig glimmt, dass Valérie und Alain am Ende – vor kitschig blauer Mittelmeerkulisse – wieder zusammenkommen werden, ahnt man bald.
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Eyjafjallajökull - Der unaussprechliche Vulkanfilm | Foto (C) Mars Distribution
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Doch die drei Drehbuchautoren des wilden, gleichwohl harmlosen Schwanks haben nicht alle Episoden so vorhersehbar angelegt. Wenn sie mal Valérie, mal Alain, mal alle beide durch eine strapaziöse Situation nach der anderen jagen, machen sie unter anderem Bekanntschaft mit einem zum Messias konvertierten Serienmörder, alkoholisierten Fußballfans, der kroatischen und griechischen Polizei sowie schießwütigen Balkanbewohnern. Selbst im Segelflieger kann die letzte Etappe nicht vollständig bewältigt werden, denn auch über den Wolken ist – anders als vor dem heimischen Flugsimulator zuhause am Laptop – ein voller Tank vonnöten. Wer unbeschwerten, durchaus originellen, bisweilen gänzlich sinnfreien Klamauk und auch Schadenfreude genießen kann, sollte das Ticket für diese Zwei lösen.
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Max-Peter Heyne - 4. August 2014 ID 7985
Weitere Infos siehe auch: http://www.dervulkan-film.de
Post an Max-Peter Heyne
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