Filmstart: 24. Februar 2011
"True Grit" (USA 2011)
Drehbuch: Joel und Ethan Coen Nach der Romanvorlage von Charles Portis
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(c) Paramount Pictures Germany
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True Grit ist ein interessanter Begriff: Er steht für Durchhaltewillen, gerade unter harten Bedingungen, für einen Schuss Eigensinn und Selbstüberschätzung. - Genau so ein Typ ist Marshal Rooster Cogburn (Jeff Bridges) und genau der ist es, den die 14-jährige Mattie Ross (Hailee Steinfeld) braucht. Als Mattie ihn das erste Mal sieht, hat er gerade wieder „Kundschaft“ für den Galgen angeschleppt.
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Ein ungleiches Paar: Mattie (Hailee Steinfeld) und Marshal (Jeff Bridges) (c) Paramount Pictures Germany
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An den Galgen schaffen es bei ihm nur die, die nicht vorher bei der Festnahme seinen Kugeln zum Opfer fallen. Dass der Marshal säuft und unberechenbar ist, stört Mattie am Anfang wenig. Sie will den Tod ihres Vaters gerächt bekommen und dazu braucht sie als junges Mädchen Hilfe. Der Gangster Tom Chaney (Josh Brolin) hat ihren Vater umgebracht und ihre Familie ins Umglück gestürzt. Dabei hatte ihr Vater Chaney aufgenommen und versucht, der gescheiterten Existenz zu helfen. Seine Ermordung schreit nach Rache.
Widerwillig lässt sich der Marshal auf den Deal ein. Es gibt viel schlimmere Ganoven und bessere Kopfgelder als für Tom Chaney. Aber Mattie ließ nicht locker und trieb 100 Dollar für das Kopfgeld auf.
Doch es läuft nicht alles nach Plan. Es taucht nämlich ein dubioser Typ auf, Laboeuf, ein Texas-Rancher (Matt Damon). Der sagt, dass Tom Chaney in Texas einen Senator getötet hat und dafür in Texas hängen soll. Nee, damit ist Mattie ganz und gar nicht einverstanden. Chaney soll am Galgen wissen, dass er für den Mord an ihrem Vater sterben muss.
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Soll hängen: Tom Chaney (Josh Brolin) (c) Paramount Pictures Germany
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Die Geschichte spielt im Jahr 1878, als die USA auf 38 Bundesstaaten bestand. Der Westen war offiziell noch Indianerterritorium, in das oft Gauner, entlaufene Sklaven und zwielichtige Gestalten abtauchten. Genau dahin müssen der Marshal, Mattie und der Texas-Ranger, um Chaney und die Bande, der er sich angeschlossen hat, zu finden.
Am Anfang und Ende des Films wird ein Bibelspruch, Salomon 28.1 hervorgehoben: „Der Gottlose flieht, auch wenn niemand ihn jagt.“ Die junge Mattie ist zwar bibelfest, versteht den Spruch aber nicht. Sie will etwas, was sich irgendwie zwischen Rache und Gerechtigkeit bewegt. Ihr Glaube an eine Ordnung in der Welt ist naiv, wird aber trotz anders gearteter Erlebnisse nicht wesentlich erschüttert. Bei der Jagd nach Chaney erlebt sie schlimme Sachen, die sie aber nicht zynisch machen oder vom Glauben abbringen.
True Grit wurde unter dem Titel The Marshal schon 1969 von Henry Hathaway verfilmt mit John Wayne in der Hauptrolle. Damals war es ein Abgesang auf das sterbende Genre des amerikanischen Westerns. Die Romanvorlage von Charles Portis eignete sich gut dafür, weil sie gebrochene Helden enthielt und eine Story, die nicht so ausgeht, wie man sie üblicherweise bei einem Western voraussehen kann. Die Coen-Brüder haben keinen Wiederbelebungsversuch des Genres versucht. Die Geschichte wird aus der Perspektive der 14-jährigen Hattie erzählt. Ihr unvoreingenommener und unverdorbener Blick auf die Menschen und Geschehnisse stehen im Mittelpunkt des Films. Die Frage von Schuld und Sühne begleitet sie und die ewige Forderung nach Gerechtigkeit.
Der US-amerikanische Autor George Pelecanos hat in einem Interview über das Buch einmal gesagt: „Matties Stimme, ironisch und selbstsicher zugleich, ist eine der ganz großen Schöpfungen der modernen Literatur... Besonders wichtig ist, dass sie ganz unterschiedliche Leser anspricht, ob alt oder jung, ob gebildet oder ungebildet, ob reich oder arm. Sie ist ein Kunstwerk, dass diese Unterschiede aufhebt.“ Den Coen-Brüdern ist mit Hailee Steinfeld als Mattie und einer wundervollen Crew gelungen, diesem „Kunstwerk“ mit dem Medium Film Rechnung zu tragen. Mit zahlreichen Preisen und Nominierungen wird True Grit zurecht belohnt.
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Helga Fitzner - red. 24. Februar 2011 ID 5079
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