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Wer Impressionisten und insbesondere Renoir liebt, ist derzeit im Kölner WALLRAF-RICHARTZ-MUSEUM gut aufgehoben. Das Haus verfügt über eine der ältesten Sammlungen der Stadt und beherbergt zusätzlich rund 170 impressionistische Werke des Schweizer Sammlers Gérard Jacques Corboud, der sich schon früh auf Arbeiten aus der Zeit um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert spezialisierte. Dieser überließ die Sammlung als „ewige Leihgabe“ dem WRM, das seitdem Wallraf-Richartz-Museum & Fondation Corboud heißt, und im Mai 2025 jährt sich Corbouds Geburtstag zum hundertsten Mal. Das ist Grund genug für eine Ausstellung, doch bis zum 27. Juli 2025 hat das WRM das Potential, zu einer „Pilgerstätte“ zu werden.

Denn hier gesellen sich Exponate von ebenfalls visionären Sammlern dazu, weil die Museumsvilla Langmatt in Baden bei Zürich wegen Sanierungsarbeiten geschlossen ist und die rund 50 Objekte des Ehepaars Sidney Brown (1865-1941) und Jenny Brown (1871-1968) auf Tour geschickt hat. So sind derzeit die 50 Exponate aus Langmatt und rund 100 Bilder aus der dem WRM anvertrauten Sammlung ausgestellt. Das Ehepaar Brown hatte die Gemälde gekauft, als die Impressionisten noch unter Kritik standen und es noch gar nicht sicher war, ob ihre Pinselarbeiten als neue Kunstrichtung Anerkennung finden würden. Für Schweizer Schätze, kuratiert von Barbara Schaefer, wurden neun Säle mit impressionistischen Gemälden gefüllt, und als Betrachter steht man dieser Fülle fasziniert und nahezu überwältigt gegenüber. Die 150 Objekte wurden nicht separat präsentiert, sondern thematisch miteinander verbunden, und diese Fusionierung erlaubt tiefe Einblicke. Der Direktor des Museums Langmatt, Markus Stegmann, freut sich über die neuen Kontexte, in denen die Exponate seiner Sammlung hier erscheinen.

*

Im ersten Saal sind drei Fotografien aus der Villa der Browns als riesige Wandtapeten angebracht, die zeigen, dass die Bilder z.B. im Arbeitszimmer Browns hingen. Einige waren am Boden an die Wand angelehnt, manche übereinander. Das wäre heute undenkbar. Barbara Schaefer hat die Originalbilder so hängen lassen, dass sie mit den Fotografien weitestgehend übereinstimmen.

Die Reise beginnt chronologisch mit venezianischen Veduten eines unbekannten Meisters, der schon mit natürlichem Licht und Stimmungen spielte. Danach kann man mit Bildern von Camille Corot und Eugène Boudin schon direktere Vorläufer des Impressionismus betrachten. Camille Pissaro war der Älteste unter ihnen und ein Nonkonformist. Er war nicht am Pariser Stadtgeschehen interessiert, sondern malte ländliche Idylle, allerdings nicht romantisierend, sondern in Bewunderung der einfachen Menschen und ihrer Verbundenheit mit der Natur. - Die meisten Maler hatten jedoch Paris als Sujet und in zwei Sälen wird „Paris und das moderne Leben“ der Zeit illustriert.

Es gibt auch ein Wiedersehen mit vorhandenen Arbeiten von Edgar Degas, die u.a. von einem Akt aus der Sammlung Langmatt ergänzt werden, der einfach nur Weiblicher Akt heißt, aber stellvertretend für Degas' insgesamt doch zahlreiche Hüllenlosen (meistens bei der Körperpflege) steht. Barbara Schaefer hat allerdings mehr geleistet, als nur die bestehende Sammlung zu ergänzen. Im selben Raum befinden sich im Gegensatz Werke des Einzelgängers Odilon Redon. Degas war ein präziser Beobachter, während, laut Saaltext, Odilon...


„… nicht die äußere Wirklichkeit abbildet, sondern innere Landschaften des Geistes und der Seele... Ob schwebende Figuren, fiktive Kreaturen oder florale Fantasien – bei ihm wird die Realität zur Bühne für Mystisches und für das Nichtgreifbare.“


Odilon hat mit seiner Kunst Henri Matisse und die Surrealisten inspiriert. So hat jeder einzelne Künstler seinen Beitrag geleistet, die Kunst aus der Vormachtstellung der Akademie in Paris zu befreien und damit für die Moderne mit all ihren zahlreichen Facetten zu öffnen; vgl. auch die 2024er WRM-Ausstellung 1863. Paris. 1874 - Revolution in der Kunst.

Unter dem Titel „Pierre-Auguste Renoir, Figur und Sinnlichkeit“ kann ein Teil der Vielfalt seines Schaffens betrachtet werden. Sein Bild Das Boot ziert auch das Plakat und den fantastischen Katalog zur Ausstellung. Renoir gehörte zu den vorsichtigeren und partiell salonfähigsten der gegen die Gängelei Aufbegehrenden, schließlich hatte er eine Familie zu ernähren, aus der u.a. der Schauspieler Pierre Renoir und der Regisseur Jean Renoir hervorgegangen ist. Im Saaltext heißt es:


"Er gab alles für seine Malerei. Für unser Auge ist sie voller Licht, Sinnlichkeit und Optimismus, eine Malerei, die das Alltägliche feiert."


Im letzten Saal wird Paul Cézanne gewürdigt, der zurückgezogen für seine Kunst lebte. Seine Bilder sind teilweise an geometrischen Formen orientiert, die später Picasso und Georges Braque inspirierten, und den Weg für den Kubismus vorbereiteten. Zugleich wird abschließend insgesamt auf die Sammlung der Villa Langmatt eingegangen, deren Bilder im Anschluss an Köln nach Wien weiterreisen werden, bis sie nach vollendeter Renovierung an ihren Stammort zurückkehren können.

Für das WRM steht Mitte des kommenden Jahres die Sanierung noch an, für die 18 Monate angesetzt worden sind. Museumsdirektor Marcus Dekiert ist zuversichtlich, denn diese schließt den vereinbarten Erweiterungsbau mit ein, mit dem der anvertrauten Sammlung Corboud endlich mehr Raum zur Verfügung gestellt werden wird. Das WRM ist bestrebt, den Sammlern gerecht zu werden, wie ihm das zuletzt zum 200. Todestag von Ferdinand Franz Wallraf in hervorragender Weise gelungen ist: Museum der Museen – Eine Zeitreise durch die Kunst des Ausstellens und Sehens.

Im Katalog (S. 8f) würdigt Dekiert die Sammler beider Kollektionen:


„Hier wie dort wehte der Geist des Auf- und Umbruchs, zeigte sich der Durchbruch einer neuen Kunst der Vor-Moderne... An den Sammler, Mäzen und Freund des Museums Gérard J. Corboud, der in diesem Jahr 2025 seinen 100. Geburtstag gefeiert hätte, erinnern wir in Dankbarkeit mit unserer Ausstellung.“



Bilder von Renoir sind zahlenmäßig am stärksten vertreten, © Helga Fitzner

Helga Fitzner - 29. März 2025
ID 15208
Weitere Infos siehe auch: https://www.wallraf.museum


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