Moby-Dick
im Hamburger
Bahnhof
|
Michael Beutler. Portrait. © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Thomas Bruns
|
Bewertung:
Der aus Oldenburg stammende und in Berlin arbeitende und lebende Bildhauer und Installationskünstler Michael Beutler (geb. 1976) hat von den Staatlichen Museen der Hauptstadt jetzt die Historische Halle des Hamburger Bahnhofs zu seinem Spielplatz zur Verfügung gestellt bekommen. Dort ist - noch bis zum Frühherbst - seine Einzelausstellung unter dem vielsagenden Titel Moby-Dick zu sehen.
Wir erinnern uns in dem Zusammenhang des Titels kurz und oberflächlich: Im Melville-Roman war Captain Ahab von 'nem weißen Pottwal um ein Bein gebracht, weswegen er den Meeressäuger unerbittlich und voll Hass gejagt hatte und diesen Kampf letztlich verlor, denn Mobby-Dick war halt viel größer und viel kräftiger als Ahab und sein kleines Purzelboot...
Die ungestüme Doppel-Assoziation der Ausstellungsbesucherin - sofort nachdem sie in der von dem Beutler inszenierten Halle Fuß fasste - war etwa so: So also sieht's im Bauch von einem Wal aus (Var. 1) - wenn das mal Alles hier der Moby-Dick verschluckte (Var. 2).
"Beutlers Installationen besetzen und transformieren Räume durch skulpturale Eingriffe, die dem Publikum Alternativen der Raumwahrnehmung und neue Handlungsweisen eröffnen. Die gattungsübergreifenden Arbeiten verstehen sich als Reaktionen auf die architektonischen und sozialen Strukturen und die spezifische Situation am jeweiligen Ort der Ausstellung. Das Hinterfragen von industriellen Produktionsprozessen und den damit in Zusammenhang stehenden Ökonomien, sowie die Thematisierung einer bewussten und autonomen Haltung zu den eingesetzten Materialien und Verfahren, bilden ebenfalls zentrale Elemente in Michael Beutlers Werken. Industriell gefertigte oder verarbeitete Materialien wie Papier, Metall, Holz oder Kunststoffe werden vom Künstler eingesetzt und mit eigens entwickelten Werkzeugen und Apparaten sowie unter Einbindung Dritter zu raumgreifenden Bauelementen geformt. Einer Versuchsanordnung ähnelnd, entsteht in der prozesshaften Werkentwicklung ein Zustand provisorischer Ungewissheit, den Beutler als notwendigen, produktiven Bestandteil seiner Arbeit begreift." (Quelle: smb.museum.de)
Was sah ich? was fiel mir gesondert auf??
Eine sich drehende und begehbare Kathedrale in der Mitte!
Sie ist rund wie eine Jurte und hat eine Öffnung, durch die in sie reingegangen wird - auf diese "Tür" muss jedesmal solange (ob von drinnen oder draußen) gewartet werden, bis die Jurten-Kathedrale einmal um sich rum gefahren "kommt".
Im Innern wirkt sie großräumiger und, beim Blick nach oben, höher als wenn ich sie aus der Perspektive ihres Draußen (ob von nah oder von fern) erblicke. Karusellartige Sitze laden zum Verweilen ein. Wer sie besetzt, denkt, dass er selber (Karusell) fährt - doch bewegt werden hier lediglich der Innenkern, welcher durch einen schmalen "Wassergraben" von den Sitzen distanziert wurde, sowie die äußere Gewandung... Und ich hätte Stunden lang so sitzen wollen.
Und der Rest des von dem Künstler voll gestellten Riesen-Spielplatzes lässt schon auf eine Riesen-Lagerhalle schließen. Alles Mögliche, was Beutler so zu seinen Arbeiten benötigte, wurde verstreuter Maßen abgelegt und angelehnt und aufgestellt: alles zumeist aus Sperr- und Spanholz, Pappe und Papier; mit Maschendrahtzaun-Materialien wurde alles Das dann "fest" gemacht oder befestigt oder durchgefestigt - Videos zeigen, wie das in realo so vonstatten ging.
Mir fielen noch zig imitierte Orgelpfeifen, wie als wären sie ein Teil aus einer Orgelwerkstatt, auf.
Erklärt wurde mir Moby-Dick auch so:
"Gleichzeitig als Produktionsstätte und Präsentationsort genutzt, unterliegt der Ausstellungsort einer stetigen Entwicklung, die für die MuseumsbesucherInnen durch verschiedene Momente der Teilhabe direkt erfahrbar wird. Der Entstehungsprozess dieser künstlerischen Arbeit wird sichtbar gemacht und kann von den BesucherInnen von Beginn an in Form unterschiedlicher 'Bauphasen' verfolgt werden. Das, die gesamte Halle einnehmende, Projekt Michael Beutlers kann in eine Reihe orts- bzw. raumspezifischer Ausstellungen im Hamburger Bahnhof eingeordnet werden, deren Fokus ebenfalls auf der Auseinandersetzung mit dem Ausstellungsraum und dessen Gegebenheiten lag." (Quelle: smb.museum.de)
Habe verstanden, irgendwie.
|
Michael Beutler: Moby Dick, 2015. Ansicht Ausstellungsaufbau (Exhibition setup at) Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart - Berlin. © Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Thomas Bruns
|
Gisela Herwig - 22. April 2015 ID 8591
MICHAEL BEUTLER. MOBY-DICK | 17.04.-06.09.2015
Öffnungszeiten:
Di, Mi, Fr | 10 - 18 h
Do | 10 - 20 h
Sa, So | 11 - 18 h
Mo | geschlossen
Eintritt:
Regulär | 8 EURO
Ermäßigt | 4 EURO
Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin
Invalidenstraße 50–51
10557 Berlin
Weitere Infos siehe auch: http://www.michaelbeutlerinberlin.de
Post an Gisela Herwig
|
|
|
Anzeigen:
Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN
Rothschilds Kolumnen
AUSSTELLUNGEN
BIENNALEN | KUNSTMESSEN
INTERVIEWS
KULTURSPAZIERGANG
MUSEEN IM CHECK
PORTRÄTS
WERKBETRACHTUNGEN von Christa Blenk
= nicht zu toppen
= schon gut
= geht so
= na ja
= katastrophal
|