Festspiel-
Zentenarium
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Bewertung:
Eine Ausstellung lässt sich leichter gegen Menschenansammlung und körperliche Nähe von weniger als einer Babyelefantenlänge absichern als Opern, Theaterstücke und Konzerte sowie die dazu gehörenden Partys, bei denen Menschen zuhauf aufeinander treffen. Und so findet das Zentenarium der Salzburger Festspiele im SALZBURG MUSEUM und im Katalog statt. 100 Jahre des teuersten und spektakulärsten Ereignisses österreichischer Repräsentationskultur stellen sich in der Neuen Residenz am Mozartplatz in Form von Exponaten und reichlich Schrifttafeln zur Schau. Klar, dass man bei solch einer Gelegenheit seine Schätze zeigt und seine Schmuckstücke glänzen lässt. Immerhin hat die Ausstellung [Großes Welttheater - 100 Jahre Salzburger Festspiele] einen ganzen Raum auch den Jahren 1938-1945 gewidmet, die, jedenfalls aus heutiger Sicht, wenn auch nicht für alle Österreicher und nicht für alle, die nach dem Ende des Nationalsozialismus in Salzburg den Ton – im übertragenen wie im wörtlichen Verständnis – angaben, als weniger glanzvoll gelten müssen.
Da kann man Kostüme, Maquetten und Attrappen, Gegenstände von mehr oder weniger symbolischer und für das Vergängliche stellvertretender Bedeutung sehen und Szenen aus Festspielinszenierungen in Fotos und Modellen nachempfinden sowie Modelle nicht gebauter Festspielhäuser bewundern. Thematisiert wird die eigentümliche Liaison zwischen Festspielen und Trachtenmode. Als wäre der Kilt ein Attribut des Edinburgh Festivals. Wo Objekte fehlen, müssen Video und Tonaufnahmen einspringen. Einige der abgedunkelten und verwinkelten Räume sind mit so viel künstlerischer Eitelkeit als Installationen gestaltet, dass der Gegenstand des Unternehmens in Vergessenheit gerät. Da spreizen sich die extra für diesen Zweck als Partner beigezogenen Künstler und Institutionen als Ausstellungsmacher, statt der angestrebten Information zu dienen.
Eigens angelegt in zusätzlichen Schrifttafeln ist ein „Parcours“ durch die Ausstellung für Kinder. Nichts gegen die Pädagogisierung von kulturellen Angeboten. Aber man darf sich schon fragen, ob ausgerechnet die Geschichte der Salzburger Festspiele zum Interessensgebiet von Kindern gehört, gehören soll, und wenn ja, was gewonnen ist, wenn man sie in einer (nicht erst für diese Ausstellung konzipierten) „leichten Sprache“, in der Primitivsyntax von Debilen anspricht.
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Großes Welttheater - 100 Jahre Salzburger Festspiele im Salzburg Museum | Foto (C) Luigi Caputo; Bildquelle: salzburgmuseum.at
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Thomas Rothschild – 20. August 2020 (2) ID 12402
Weitere Infos siehe auch: https://www.salzburgmuseum.at
Post an Dr. Thomas Rothschild
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