Abenteuerliche
Schnitzeljagd
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Bewertung:
Es war einmal ein Winzer, der vertraute seinen drei Söhnen auf dem Sterbebett an, dass in ihrem Weinberg ein Schatz vergraben sei. Nach dem Tod des Vaters begannen die Söhne sofort nach dem Schatz zu suchen, sie gruben und gruben, denn jeder von ihnen wollte den Schatz finden. Doch der Schatz war nicht da. Sollte der Vater gelogen haben? Die Antwort war verblüffend einfach. Der Weinberg war der Schatz, und da er nun komplett umgegraben worden war, wuchs der Wein mit neuem Schwung und ernährte die Familien der drei Söhne mit seinen herrlichen Trauben und köstlichem Wein. Und die Moral von der Geschichte lautet: Fleiß zahlt sich aus.
Das mag manchmal zutreffen, manchmal aber auch nicht. Mit Die Mondschatzjäger hat Boris Koch eine moderne Schatzsuche aufs Papier gezaubert. Der alte Ringler, ein Unikum im Dorf, soll einen Schatz hinterlassen haben, darauf deutet zumindest seine finale Anzeige in der Tageszeitung hin:
„Bevor meine lieben Verwandten auch nur einen halben Cent bekommen, schieße ich mein Vermögen lieber zum Mond. Und wenn´s der Mann im Mond oder Neil Armstrong oder sonst wer findet, soll der es meinetwegen behalten. Gezeichnet Xaver Jeremias Ringler.“ (S. 41)
Die Kinder im Ort sind von der Anzeige elektrisiert. Sie nehmen die Aussage für bare Münze und wollen den „Mondschatz“ finden. Hagen und seine Bande der „Wandelnden Geister“, die aus seinem Freund und den beiden jüngeren Brüdern besteht, gehen mit viel Grips, Strategie und Ideenreichtum auf die Jagd. Dabei wissen sie nicht einmal, was es für ein Schatz ist und ob es ihn überhaupt gibt. Doch ihre Fantasie kennt keine Grenzen.
„… wir wollten ihn unbedingt gewinnen, wir wollten die ersten sein. Wir wollten haufenweise Geld finden, wir wollten steinreich werden, wir wollten im Gold schwimmen oder sogar tauchen. Wir wollten Lionel und Martin wie arme Schlucker aussehen lassen.“ (S. 98)
Lionel ist der Sohn von Familie Neureich im Dorf, und Martins Familie steht dieser kaum nach. Geborene Unsympathen und harte Konkurrenten von Hagen und seiner Clique. Aber nicht nur die gilt es beim Wettrennen um den Schatz zu schlagen. Da gibt es noch die zickige Eleonore, die das Glück gepachtet zu haben scheint, ein verwöhntes Prinzesschen, das eigentlich immer gewinnt und auf der Sonnenseite des Lebens steht. Relativ ungefährlich sind hingegen zwei „siamesische“ Freundinnen, die zwar hartnäckig an die Sache herangehen, sich aber von Hagen und Co. auf eine falsche Fährte locken lassen.
Nicht immer geht es gerecht zu bei dieser Jagd, und auch Hagen und seine Klicke müssen manche Niederlage einstecken. Doch hier zeigt das Buch einige Parallelen zum eingangs zitierten Beispiel. Ausdauer und ein gesunder Wille können Früchte tragen. Wie diese Früchte aussehen, sei an dieser Stelle nicht verraten, lediglich der Hinweis, dass die Bürokratie auch in den schönsten Kinderträumen ihr Unwesen treiben kann.
Boris Koch ist mit diesem Kinderbuch ein spannender Abenteuerroman gelungen, der zeigt, dass eine Schatzsuche auch heute noch, im Hier und Jetzt stattfinden kann.
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Ellen Norten - 12. Januar 2017 ID 9783
Boris Koch | Die Mondschatzjäger
Gebunden
302 Seiten
EUR 12,99 (D) | EUR 13,40 (A)
Heyne Verlag, 2016
ISBN 978-3-453-27046-6
Weitere Infos siehe auch: https://www.randomhouse.de/Buch/Die-Mondschatzjaeger/Boris-Koch/Heyne-fliegt/e487312.rhd
Post an Dr. Ellen Norten
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