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Premierenkritik

Maurice-

Maeterlinck-

Feeling

L´INVISIBLE von Aribert Reimann
an der Oper Frankfurt


Intérieur von Aribert Reimann – an der Oper Frankfurt | Foto (C) Monika Rittershaus

Bewertung:    



Das “Unsichtbare” von Aribert Reimanns 2017 an der Deutschen Oper Berlin uraufgeführter lyrischen Trilogie L’invisible ist in der spektakulären Frankfurter Inszenierung von Daniela Löffner und dem noch viel spektakuläreren Bühnenbild von Fabian Wendling sichtbarer denn je:

Vier vom Schnürboden – erst ab dem zweiten also Mittel-Teil der Reimann’schen Trias (Intérieur, dt.: “Zuhause”) - nach unten gelassene Inseln aus aufrechtem Pflanzenwerk und herabhängendem Wurzelgeflecht erzeugen eine bedrohlich sich ausbreitende Schwülnis, und ihr Dunkelmoosgrün überm Erdbraun im gelegentlichen An- und/ oder Durchgeleuchtetsein des schwarzen Untiefs weit und breit sorgte für aufkommende Schweißausbrüche in beängstigender Kühle – und genauso stellte man sich, was das Atmosphärische betrifft, das visuell zur Schau gestellte Feeling Maeterlinck’scher Lyrik vor; wohl kein Geringerer als Debussy vermochte das zu seiner Zeit impressionistisch auszukosten, und bis heute sind seine Pelléas et Mélisande der Inbegriff dessen, ob und wie so etwas klingen kann.

Dem Reimann bot sich dahingehend eine echte Steilvorlage.



“Die Idee, eine Oper über Maeterlincks frühe Dramen zu schreiben, hatte ich seit der denkwürdigen Aufführung von L’intruse und Intérieur, die ich 1985 an der Berliner Schaubühne erlebt habe. Damals ging ich aus dem Theater und wusste: Das wirst du einmal komponieren! Konkret wurde das Projekt allerdings erst 2005. Damals kam auch der Tintagiles dazu, und damit hatte ich die Verbindung zwischen den drei Stücken: Das Neugeborene aus L’intruse wird zum Kind in Intérieur und später zu Tintagiles. Jetzt stimmte das Ganze zusammen.” (Aribert Reimann)


Und eigentlich war die Oper Frankfurt als Uraufführerin von Reimanns geplantem Dorian Gray im Gespräch, aber der Komponist hatte sein Werk krankheitshalber nicht vollenden können – daher jetzt und heute (statt jener beabsichtigten Uraufführung) Reimanns L’invisible; ja und im Juni wird zudem noch seine Melusine (UA 1971) im Bockenheimer Depot zu sehen und zu hören sein…

*

Im ersten Stück (L’intruse, dt.: “Der Eindringling”) ist es ein Fremder im Garten, im zweiten (Intérieur) das unbekannt gebliebene Suizid-Motiv der Ertrunkenen, im dritten (La mort de Tintagiles, dt.: “Der Tod des Tintagiles”) die Unsichtbarkeit der jungmännermordenden Großmutter, die die latent andauernden Beunruhigungen der Zuschauenden/ Zuhörenden auslösen und aus denen sie keine weiteren, v.a. keine weiteren logischen, Schlüsse zu ziehen in der Lage sind.




L´intruse von Aribert Reimann
mit Erik van Heyningen (als Großvater; Bildmitte)
- an der Oper Frankfurt
Foto (C) Monika Rittershaus


Reimanns überwiegend als sperrig empfindbare Musik – im ersten Teil sind nur Streicher, im zweiten nur Bläser und erst im dritten die gesamte Palette eines Großorchesters (mit viel Schlagwerk) aus dem Graben zu vernehmen – koloriert das oben Genannte nur allzu gern und gut; all das erledigen die Musikerinnen und Musiker des Frankfurter Opern- und Museumsorchesters unter Leitung von Titus Engel mit beeindruckender Bravour.

Die Gesangspartien haben einen mitunter artistisch anmutenden Anspruch – Irina Simmes (als Ursule, Marie und Ygraine) soll da in ihrem stimmlichen, stimmtechnischen Vollzug ganz vordergründig Erwähnung finden.

Es gibt drei Countertenöre, die “durch die Handlung(en) führen” - Iurii Iushkevich, Tobias Hechler und Dmitry Egorov fallen da, und insbesondere als auftretendes Killerkommando im abschließenden Horrorstück über die Ermordung des Jungen Tintagiles (verblüffend schlagkräftig in Spiel & Sprech: der Kinderschauspieler Victor Böhme!) besonders auf.




La mort de Tintagiles von Aribert Reimann mit Irina Simmes (als Ygraine) und Victor Böhme (als Tintagiles) – an der Oper Frankfurt | Foto (C) Monika Rittershaus


* * *

Anderthalb Stunde dauert L’invisible, und die zugesehene und abgelauschte Zeit vergingen und vergehen wie im Flug.

Andre Sokolowski – 1. April 2025
ID 15213
L’INVISIBLE (Oper Frankfurt, 30.03.2025)
Trilogie lyrique von Aribert Reimann

Musikalische Leitung: Titus Engel
Inszenierung: Daniela Löffner
Bühnenbild: Fabian Wendling
Kostüme: Daniela Selig
Licht: Joachim Klein
Dramaturgie: Maximilian Enderle
Besetzungen:

L’intruse
Großvater … Erik van Heyningen
Vater … Sebastian Geyer
Onkel … Gerard Schneider
Ursule … Irina Simmes
Die Dienerin … Cláudia Ribas
Die barmherzige Schwester … Karolina Makuła
Die sterbende Mutter … Viola Pobitschka
Kind … Johann Böhme/ Victor Böhme

Intérieur
Der Alte … Erik van Heyningen
Der Fremde … Gerard Schneider
Marthe … Karolina Makuła
Marie … Irina Simmes
Vater … Sebastian Geyer
Mutter … Viola Pobitschka
Sohn … Johann Böhme/ Victor Böhme

La mort de Tintagiles
Ygraine … Irina Simmes
Bellangère … Karolina Makuła
Aglovale … Erik van Heyningen
Dienerinnen der Königin … Iurii Iushkevich, Tobias Hechler und Dmitry Egorov
Tintagiles … Johann Böhme/ Victor Böhme

Frankfurter Opern- und Museumsorchester
UA an der Deutschen Oper Berlin: 7. Oktober 2017
Frankfurter Premiere war am 30. März 2025.
Weitere Termine: 05., 13., 16., 18., 26.04./ 02.05.2025

Weitere Infos siehe auch: https://oper-frankfurt.de


https://www.andre-sokolowski.de

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