7. April 2007, Deutsche Oper Berlin
TRISTAN UND ISOLDE
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So altmodisch wies aussieht ist sie auch, die steinzeitliche Friedrich-Inszenierung TRISTAN UND ISOLDE an der Deutschen Oper Berlin - Foto (C) Bernd Uhlig
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Mit Peter Schneider, einem der "verstecktesten" und doch zugleich bedeutendsten Garanten für das insgesamte Strauss- und Wagnerfach (so hat er, um ein Beispiel nur zu nennen, auf dem Grünen Hügel, seit er 1981 debütierte, fast das ganze einschlägige Repertoire dort absolviert) wollte die Deutsche Oper in der Bismarckstraße, freilich nicht wegen des in den letzten Monaten doch leichtens ramponierten Rufs ihres Orchesters, Nummer sicher gehen; und so engagierte sie den virulenten Österreicher außer für den angestandnen TRISTAN gleich noch für die MEISTERSINGER in der nächsten Spielzeit.
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Peter Schneider - wo und wann er Wagner (aber nicht nur Wagner) dirigiert, ist Eitelsonnenschein bei den Orchestern angesagt.
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TRISTAN also: Das Orchester klingt so ausgewogen wunderbar und schön wie lange nicht; das Vorspiel ließ es schon erahnen... hier und heute darf sich, wer das wollte, ruhig ins blaue Zipfelbett vergraben; null Gefahren drohten, dieser Streicherteppich (eine Wonne!) ließ ein ungeahntes Vorvertrauen auf den Apparat im Ganzen handpatschiger Weise zu; ein Hoch auf Rudolf Blanke, der das Englischhorn bediente... nein, so lupenrein wohl selten mal erlebt.
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Die grauenhafte Friedrich-Inszenierung von vor 26 Jahren war gewiss zuallererst drauf aus, für wechselnde Besetzungen die allergünstigsten Gegebenheiten aufzubauen und zu arrangieren; nichts passiert ja groß in diesem so schon handlungsarmen Wahnsinnsstück - alle Geschichten um das irrwitzig sich in den Todesrausch hineinbegebende und alkoholisierte (Gifttrank!) Paar sind aus dem "hergesagten" Textberg zu erfahren; dieser kann dann auch im Stehen oder Liegen oder Sitzen abgesungen werden, ganz egal wie dick und dünn Protagonisten sind.
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Für Gabriele Schnaut (Isolde) ist der Abend sicherlich noch mal, und hoffentlich zum allerletzten Mal, abrundende Bestätigung der eignen Rollen-Vita. In den Tief- und Mittellagen knattert's hörbar. Respektabel, wie ihr dennoch alle Spitzentöne
nach wie vor gelingen. Christian Franz: gewiss der beste Tristan, den es momentan zu haben gibt; bei seinen Fiebermonologen aus dem Dritten Aufzug ist man rot-ohriger Weise selber drauf und dran, dem eignen Herzschlag hinterherzuhecheln. Fulminant auch: König, Goerne, Schörner, Lang (!), Maus.
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Großer Jubel nach dem Fest.
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a. so. - red / 8. April 2007 ID 3120
TRISTAN UND ISOLDE an der Deutschen Oper Berlin
Musikalische Leitung: Peter Schneider
Inszenierung: Götz Friedrich
Bühne: Günther Schneider-Siemssen
Kostüme: Inge Justin
Besetzung: Christian Franz (Tristan), Hans-Peter König (König Marke), Gabriele Schnaut (Isolde), Matthias Goerne (Kurwenal), Jörg Schörner (Melot), Petra Lang (Brangäne), Peter Maus (Ein Hirt), Joel Prieto (Ein junger Seemann) und Hyung-Wook Lee (Ein Steuermann)
Premiere an der Deutschen Oper Berlin war am 5. April 1980.
Nächste Vorstellungen am 11. und 15. 4. 2007
Weitere Infos siehe auch: http://www.deutscheoperberlin.de
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