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Tanz im August

Entinnerungen

oder

Die Fleisch-

fresserinnen


WOMEN
von Sasha Waltz


Women von Sasha Waltz | (C) Ute und Luna Zscharnt

Bewertung:    



Die designierte Staatsballett-Kointendantin von Berlin durchlebt die Tage einen haltlos-ausufernden Schaffensrausch; erst neulich ging ihr Kreatur über die Bühne - und im allerneuesten Projekt von Sasha Waltz geht es um Frauen: Women heißt es und wurde (im Rahmen von TANZ IM AUGUST) gestern in der Elisabethkirche Berlin uraufgeführt.

Das Publikum bildet zunächst ein schmales Hufeisen, in dessem hohlen Binnenraum die 20 Tänzerinnen [Namen s.u.] nach und nach ihr unverbindlich-anonymes Gruppendasein in Entfaltung bringen; und wie meistens in so mehrzahliger Anordnung - also fast wie im wahren Leben - ist auch hier, zu dieser frühen Zeit (20 Minuten lang), die "Masse" eben eine "Masse" und zudem noch ziemlich grau; der Lichtdesigner Martin Hauk wählte für'n Anfang einen dunklen Schein.

Nicht zwingend Merk- oder Erinnerbares - außer vielleicht einigen besonders akrobatisch anmutenden Zweier- oder Dreier-Szenen - tut jetzt bis zu Folgendem geschehen:

Einige der Frauen sind urplötzlich mit flexibelen Konserven, die wie prall gefüllte dunkelrote Blasen oder angeschwoll'ne Schläuche ausschauen, versehen und befeuchten andere der Frauen (die sich zwischenzeitlich und fast unbemerkter Weise ihre Kleider abstreiften) verschiedentlich mit dem Theaterblut - sofort assoziierte man(n), dass das womöglich mit menstruatösen Themata zusammenhängen könnte; Women heißt ja immerhin das Stück, wo es halt ausschließlich um Frauen, also auch um körperliche Frauen-Fragen hätte gehen können - - aber nein; man(n) irrte gründsätzlich in dieser bis zu dem Moment noch etwas klein gehalt'nen Frage, denn:

Spätestens als sich auch die Stimmgewalt der Darstellenden unhörbare Ausdrücke verschaffte (Heulen, Kreischen, tierlautiges Imitieren) und so eine Art von Rudel-Aggressivität sich ungehindert Bahn verschaffte, wusste man: Aha, jetzt wird es wohl gleich um die Wurst gehen! Die Damen haben Hunger, brauchen sättigende Opfer; und all diese silikonen Utensilien, die man(n) noch zuvor flexibele Konserven hätte nennen können, taten sich im Nu und inflationär als menschliche Organe (Mägen, Nieren, Lebern, Lungen, Herzen, Därme...), Hirn und Menschenfleisch entpuppen... Dieser feminine Kreis war auf Entinnerungen aus! Fleischfresserinnen, sozusagen!!

*

Und der zweite und zugleich auch Haupt-Teil von dem solidaritären Waltz-Stück um die Frauen ist, lt. Choreografin, bildkünstlerisch inspiriert worden: The Dinner Party von Judy Chicago stand hier Pate; "ein dreieckiger Tisch mit 39 Gedecken von Frauen aus der Weltgeschichte bildet das zentrale Element des Werkes", so meint Waltz zu dem, was sie da in New York gesehen hat.

Das Publikum kann, kurz nachdem drei Tische sowie 20 Stühle in der Mitte aufgestellt wurden, das rituelle Damen-Kränzchen, das bis Stückschluss immer skulpturaler und installativer wird, durch neugieriges Auf- und Ab- und Rundherumgehen beäugen und bestaunen...

Alle zwanzig haben sich zum endgültigen Ziel gesetzt, nach ihrer großartig verübten Gruppen-Tafel lauthals (und in Gruppen-Phonstärke, versteht sich) aufzulachen, abzuweinen und in der Verlautbarung von einem letzten anhaltenden Ton hinwegzuschwinden.

* *

Endlich weiß man(n) also wieder etwas mehr über das andere Geschlecht. Yes, for men only.




Women von Sasha Waltz | (C) Ute und Luna Zscharnt

Andre Sokolowski - 31. August 2017
ID 10223
Women (St. Elisabeth-Kirche, 30.08.2017)
Choreografie & Regie: Sasha Waltz
Licht: Martin Hauk

Von und mit: Liza Alpízar Aguilar, Claudia Catarzi, Maria Marta Colusi, Clémentine Deluy, Lisa Densem, Hwanhee Hwang, Lorena Justribó Manion, Florencia Lamarca, Maureen Lopez Lembo, Annapaola Leso, Margaux Marielle-Trehoüart, Thusnelda Mercy, Michal Mualem, Sasa Queliz, Zaratiana Randrianantenaina, Yael Schnell, Claudia de Serpa Soares, Wibke Storkan, Takako Suzuki und Charlotte Zerbey
Musik: Soundwalk Collective
Kostüme: Christine Birkle
Repetition: Michal Mualem
Produktion: Sasha Waltz & Guests
Uraufführung zum TANZ IM AUGUST


Weitere Infos siehe auch: http://www.tanzimaugust.de/


http://www.andre-sokolowski.de

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