London Symphony Orchestra
Bratschenkonzert von Sofia Gubaidulina
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Bewertung:
Das London Symphony Orchestra gastierte gestern Abend unter seinem seit 2024 (in der Nachfolge von Sir Simon Rattle) amtierenden Chefdirigenten Sir Antonio Pappano - zuletzt erlebte ich es beim MUSIKFEST BERLIN vor drei Jahren, da hatte es Mahlers Neunte im Gepäck, und Rattle (damals noch sein "Chef") dirigierte.
Im ersten Programmteil gab es das Bratschenkonzert von Sofia Gubaidulina († 2025), zu dem der Musiker und Autor Volker Hagedorn im digitalen Programmheft einen wunderbaren Essay verfasste, aus dem ich gern zitiere:
"Da steht einer und ruft, flüstert, erprobt, umspielt immer denselben Ton, das D, 31 Mal, in allen Lagen, über alle verfügbaren Oktaven, beginnend mit jenem D auf der C-Saite, das zum ureigenen Timbre der Viola gehört. Die Violine hat diese Saite nicht, und auf dem Violoncello lässt sich dieses D zwar mühelos spielen, als leere Saite nämlich, aber das ist ein anderer Klang, nicht so dicht. Von hier geht es hinauf: d, d’, d’’, d’’’
[...]
Zu Wellen der Viola im Diskant, zwischen d und es im Flageolett, entsteht nach dem Solo eine delikate Aura, geschaffen von zwei weiteren Streichersolisten, dazu ein heller Glöckchenklang, vom kleinsten Becken erzeugt, der etwas Sakrales hat. So gehört, wirken die Töne des Solisten wie eine Art Anrufung – und tatsächlich erhält der einsame Rufer eine Antwort, so rätselhaft wie einprägsam."
(Quelle: berlinerfestspiele.de/musikfest-berlin/)
Solist war der norwegische Ausnahmebratschist Eivind Ringstad (32).
Er spielt auf einer Viola von Andrea Guarneri Conte Vitale aus dem Jahr 1676.
Und was er aus seinem Instrument so alles herauszuholen in der Lage war und v.a. wie er all das machte, war atemberaubend.
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Der norwegische Bratschist Eivind Ringstad und das LSO mit dem Konzert für Viola und Orchester von Sofia Gubaidulina - beim MUSIKFEST BERLIN 2026 | Foto (C) Fabian Schellhorn
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Demgegenüber war ich während und nach der Darbietung von Bruckners Neunter (um es höflich auszudrücken:) leicht irritiert. Ich kann mich nicht entsinnen, diese Sinfonie jemals so übertrieben breitgewalzt und sinnlos dröhnend vernommen zu haben wie gestern Abend. Pappano fand, außer langsam und laut sein zu wollen, keinerlei Konzept für sie. Eine pseudoemotionale Orgie mit null Tiefgang.
Der Verriss soll selbstverständlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass das LSO sich glücklich schätzen kann mit einer Bläsergruppe, nach der sich alle anderen Orchester dieser Welt die Finger lecken würden, gesegnet zu sein.
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Andre Sokolowski - 7. September 2026 ID 16027
MUSIKFEST BERLIN (Philharmonie Berlin, 06.09.2026)
Sofia Gubaidulina: Konzert für Viola und Orchester
Anton Bruckner: Sinfonie Nr. 9 d-Moll
Eivind Ringstad, Viola
London Symphony Orchestra
Dirigent: Sir Antonio Pappano
https://www.berlinerfestspiele.de/musikfest-berlin/
https://www.andre-sokolowski.de
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Kammerspiel in einem Aufzug
von Andre Sokolowski
(Frei zur Uraufführung!)
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