Akhnaten
von
Philip Glass
im Teatro Piccolo Strehler, Mailand
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Philip Glass | Foto (C) Steve Pyke
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Bewertung:
Ein wundervoller Moment im Rahmen des internationalen Musikfestivals MITO war sicherlich die italienische Erstaufführung der Philip Glass-Oper Akhnaten.
Es ist die Geschichte des vergessenen Pharaos, der, seiner Zeit voraus, vor mehr als 3000 Jahren den Urgedanken des Monotheismus gebar. Von dieser Idee beseelt, widmete er sich einer religiösen Reform, die Aton als einzigen Gott, einem Sonnengott ähnlich, pries. Doch die Zeiten waren verfrüht, Widerstand regte sich und Rebellion, der Pharao wurde verstoßen und verraten.
Philipp Glass nähert sich dem Profil dieses Visionärs anhand einer Begegnung mit dem Buch Velikovskijs, der dieser außergewöhnlichen Persönlichkeit große Aufmerksamkeit widmet. Für Glass ist Akhnaten nicht die einzige biografische Oper. Einstein on the beach war 1974 sein erstes bahnbrechendes Werk dieser Art, gefolgt von der Oper Satyagraha, die Mahatma Ghandis Wirken zum Inhalt hat. Nach Wissenschaft und Politik wollte Glass in diesem Teil der Trilogie eine hervorragende Persönlichkeit im Bereich der Religion präsentieren.
Erster Akt
Locker aneinandergereihte Szenen ergeben ein Gesamtbild der hingebungsvollen Inspiration dieses Pharaos, so fern seiner Zeit. Und diese Einsamkeit, die ihn umgab, diese Isolation, die er als Preis für seine Unbeirrtheit auf sich nahm, spiegelt sich musikalisch in der tonalen Distanz Akhantons (in der Titelrolle: Rupert Enticknap) von den anderen Figuren. Als Countertenor ist seine Tonlage fern, sublimiert, einer irrealen Welt angehörig.
Der tragische Grundgedanke der Verkennung durchzieht die ganze Oper; die verhaltene und dunkle Klanghaftigkeit, die diese Stimmung ausdrückt, wird durch die ungewöhnliche Orchesterbesetzung (Orchestra del Teatro Regio di Torino) - das gänzliche Fehlen der Violinen - erreicht.
Der große Meister des Minimalismus umspinnt das Publikum mit einem endloses Geflecht an Tönen, aufwallend mit schmetternden Posaunen, intensiv und lyrisch wie im Duett Akhnaten und Nefertitis (Gabriella Sborgi), aber dann auch wieder rhythmisch eindringlich und imposant im Rahmen des Begräbnis von Amenhotep, Akhnatens Vater, wo Chor und Hohepriester (ausführende SolistInnen des Coro del Teatro Regio / Coro dell Teatro Regio di Torino) Texte aus dem Ägyptischen Totenbuch deklamieren.
Glass hat, in Zusammenarbeit mit Experten, für das Libretto wirkungsvolle Texte verwendet. So steht an zentraler Stelle die Hymne an die Sonne, ein Text, der auf einer Stele im Tal von Tell el-Amarna nach tausenden Jahren wiedergefunden wurde. Und dieser Text stammt wahrscheinlich von Akhnaten selbst.
Das Libretto selbst ist ein Geflecht aus verschieden Sprachen: neben ägyptisch, akkadisch und hebräisch, wird englisch bzw. italienisch in diesem Fall hauptsächlich vom deklamierenden Erzähler (Valter Malosti) verwendet.
Zweiter Akt
Wenngleich als Orchesterversion präsentiert, wird nicht völlig auf eine szenische Realisierung verzichtet. Auf zwei großen Bildschirmen bewegen sich Bilder der zeitlosen steinernen Statuen Akhnatens, Nefertitis und anderer. In ihrer hieratischen Erhabenheit ergänzen sie visuell die sakral-meditative Ausrichtung dieser Oper. Es sind größtenteils Bilder von Fundstücken des Ägyptischen Museums von Turin.
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Akhnaten von Philip Glass als italienische Erstaufführung - im Teatro Piccolo Strehler, Mailand | Bildquelle: mitosettembremusica.it
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Sylvia Schiechtl - 23. September 2015 ID 8894
AKHNATEN (Piccolo Teatro Strehler, 15.09.2015)
Rupert Enticknap (Akhnaten), Countertenor
Gabriella Sborgi (Nefertiti), Contraalt
Valentina Valente (Regina Tye), Sopran
Giuseppe Naviglio (Horemhab), Bariton
Mauro Borgioni (Aye), Bass
Marcello Nardis (Sommo sacerdote di Amòn), Tenor
Valter Malosti, Erzähler
SolistInnen des Coro del Teatro Regio
Coro dell Teatro Regio di Torino
Choreinstudierung: Claudio Fenoglio
Orchestra del Teatro Regio di Torino
Dirigent: Dante Santiago Anzolini
Konzertante Aufführung
Weitere Infos siehe auch: https://www.piccoloteatro.org
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