Läppisch, völlig
unbedarft
ARCHIV DER ERSCHÖPFUNG von Sascha Hargesheimer
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Bewertung:
Der Stückeschreiber Sascha Hargesheimer hatte (s)ein Archiv der Erschöpfung bemüht. (S)ein "Held" ist der Dichter Anders. Jener monologisiert 90 Minuten lang sehr umständlich so vor sich hin und lässt (s)einen sehr umständlichen Sprechtext durch fünf weitere Figuren rollenmäßig etwas anreichern - auf diese Weise kriegt das Pseudostück dann sozusagen eine "Form", auf dass man nachträglich gar meinen könnte, dass sich doch noch Hargesheimers Seminarbesuche in der UdK (da gibt es einen Studiengang, der nennt sich großartig "Szenisches Schreiben") gelohnt haben müssten; doch im Großen und im Ganzen bleiben nolens volens arge Zweifel, ob es sich bei diesem schreiberischen Resultat tatsächlich um ein Stück (das jenem innerbetrieblichen Terminus von Dramatikerinnen und Dramatikern annähernd gerecht würde) gehandelt hat.
Denn das de facto monologische Geplapper (halt mal 5 plus Zutat einer Nervensäge, die am Keyboard ihr begleitendes Unwesen trieb) wirkte - so rein vom Hören her - ziellos und wirr.
Zum Inhalt: Anders' "Bruder liegt nach einer Schlägerei im Koma, und Anders kehrt nach Jahren in der Fremde zurück in die Stadt, in der er aufgewachsen ist. In eine Stadt, die sich, im Wortsinn, erhebt: Erdgasbohrungen haben ihre Spuren hinterlassen, die Gebäude sind, notdürftig geflickt, vom Einsturz bedroht. Die örtliche Seismographenfabrik geht vor die Hunde, am Kiosk trinken die Abgehängten ihr Bier, Weltuntergangsfanatiker beschwören das Potential von Antifragilität." (Quelle: deutschestheater.de)
Aha.
Die Regisseurin Friederike Heller ließ den Kram vor/hinter einer übergroßen Jalousie (von Bühnenbildnerin Sabine Kohlstedt) spielen.
Durch die bloße Anwesenheit Almut Zilchers und Lisa Hrdinas kriegte der Premierenabend etwas schauspielernde Kurzweil, was natürlich erstrangig an den Persönlichkeitspräsenzen der zwei Frauen lag - weniger an den Rollentexten, die sie abzuliefern hatten.
Felix Goeser sollte sich wohl besser nicht - auch nicht aus Jux und Dallerei - in Stöckelschuhe oder Frauenkleider zwängen lassen, denn der Macho-Typ (den er ganz überzeugt und permanent zur Ausstrahlung zu bringen weiß) konterkariert die Angelegenheit aufs Widersinnigste; wenigstens konnte er beweisen, dass er Schlagzeug spielen kann.
Und Markus Graf und Daniel Hoevels und der Kante-Musiker aus Hamburg (Peter Thiessen) waren außerdem zugegen.
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Läppisch, völlig unbedarft - sowohl was die Vorlage als auch die Inszenierung selbiger betrifft.
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Andre Sokolowski - 26. Juni 2015 ID 8730
ARCHIV DER ERSCHÖPFUNG (Deutsches Theater Berlin, 25.06.2015)
Regie: Friederike Heller
Bühne und Kostüme: Sabine Kohlstedt
Dramaturgie: Claus Caesar
Mit: Felix Goeser, Markus Graf, Daniel Hoevels, Lisa Hrdina, Peter Thiessen (Kante) und Almut Zilcher
Uraufführung war am 25. Juni 2015
Weitere Termine: 27. 6., 9. + 13. 7. 2015
AUTORENTHEATERTAGE BERLIN 2015
Weitere Infos siehe auch: http://www.deutschestheater.de/
Post an Andre Sokolowski
http://www.andre-sokolowski.de
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